Pneumokokken
Pneumokokken sind Bakterien, die ernsthafte und lebensbedrohende Krankheiten verursachen können. Diese Erreger besiedeln den Nasen-Rachen-Raum von vielen Menschen - je nach Alter zwischen 10 und 40% der Bevölkerung - ohne sie unmittelbar krank zu machen. Von diesen Trägern gelangen die Pneumokokken über eine Tröpfcheninfektion wie z.B. durch Husten oder Niesen zu Risikogruppen wie Kleinkindern oder älteren Menschen und verursachen dort Krankheiten.
Pneumokokken sind von einer Kapsel umgeben. Anhand der Struktur dieser Kapsel können ca. 90 verschiedene Serotypen (Pneumokokken-Stämme) unterschieden werden. Diese Serotypen sind die krankmachenden Faktoren der Pneumokokken.
Pneumokokken können lebensbedrohliche Krankheiten wie Gehirnhautentzündung, Blutvergiftung (Sepsis), Lungenentzündung (Pneumonie), aber auch Mittelohrentzündung (Otitis Media) auslösen.
Grundsätzlich können Pneumokokken-Infektionen mit Antibiotika behandelt werden. Zwei Probleme in der Behandlung sind jedoch zu berücksichtigen:
Schwere Pneumokokken-Infektionen können sehr schnell verlaufen:
Aufgrund der kurzen Inkubationszeit entscheidet sich oft schon in den ersten 24 - 48 Stunden das Schicksal der Patienten. Schwere Pneumokokken-Infektionen können tödlich verlaufen, bevor die Antibiotika überhaupt zum Einsatz kommen.
Zunehmende Antibiotika-Resistenzen
Antibiotikaresistente Pneumokokken sind auf dem Vormarsch. Weltweit wird über zunehmende Resistenzen von Pneumokokken besonders gegen Penicillin berichtet. Diese Resistenzen sind in einigen Ländern Europas dramatisch hoch (z.B. in Spanien) und auch in Österreich ansteigend. So konnten im Rahmen der österreichischen Surveillance kindlicher invasiver Pneumokokkenerkrankungen erhebliche Resistenzraten bestimmter Pneumokokkenstämme gegen eine ganze Reihe von gebräuchlichen Antibiotika festgestellt werden.
Die Ursache dafür liegt in dem weitverbreiteten, häufig ungezielten Einsatz von Antibiotika, der dazu führt, dass die Erreger sich an die Antibiotika „gewöhnen" und diese Medikamente unwirksam werden.
WHO-Schätzungen gehen davon aus, dass Pneumokokken-Infektionen weltweit pro Jahr rund 1,6 Millionen Todesfälle verursachen, die Hälfte davon sind Kinder. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, da deren Immunabwehr noch nicht richtig ausgebildet ist, sowie generell alle Kinder mit geschwächtem Abwehrsystem. Je jünger Kinder von Pneumokokken-Infektionen getroffen werden, desto komplizierter und damit gefährlicher verlaufen die Erkrankungen.
Im Säuglings- und Kleinkindesalter gefürchtet sind vor allem die Ausbreitung der Pneumokokken auf dem Blutweg (Bakteriämie) mit nachfolgender Blutvergiftung und die Gehirnhautentzündung.
Bei Erwachsenen dominieren Infektionen der unteren Atemwege wie die Lungenentzündung (Pneumonie)
Bei bis zu zehn Prozent aller Fälle entwickelt sich jedoch eine invasive Erkrankung* mit Bakteriämie, eitriger Meningitis und anderen Komplikationen. Diese invasiven Erkrankungen* können trotz intensivmedizinischer Betreuung tödlich verlaufen.
*Invasive Pneumokokken-Erkrankungen sind Erkrankungen, bei denen Pneumokokken im Blut nachweisbar sind.